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MOTORRAD REISE:

HARZTOUR
Motorradspaß wie er sein soll: wunderschöne Strecken, Natur pur, grandiose Ausblicke en masse, Kultur und Erholung und nicht zuletzt die sprichwörtliche Thüringer Gastlichkeit lassen eine Tour in den Harz zum wahren Genuss werden.

Und dafür muss man nicht einmal einen langen Anfahrtsweg in Kauf nehmen. Wie sagte schon ein berühmter Dichter:

“Warum in die Ferne schweifen,...“

Einmal mit dem Motorrad den Harz zu erkunden hatte ich mir schon länger vorgenommen. In Nordhausen geboren ist der Harz ja meine Heimat, auch wenn ich inzwischen im Taunus zu Hause bin.

Der Start war für den 29. Juni geplant, die Sachen waren gepackt, die Maschinen (eine Kawasaki ZZR 600 und eine Yamaha XJ 600S) gecheckt und der Wetterbericht hatte super Wetter versprochen.

Die ersten drei Tage fuhren wir zu zweit, den Rest der Woche war ich allein unterwegs.

Erster Tag (ca. 380 km)

Ausgangspunkt der Tour war Burgschwalbach/ Hahnstätten. Um Zeit zu sparen, nahmen wir für die Anfahrt ein paar Kilometer Autobahn unter die Räder.
Die Strecke führte uns über Limburg auf die B54 nach Gießen, dort auf die A5 und später A7 Richtung Kassel.
An der Ausfahrt Melsungen verließen wir die Autobahn und hielten uns Richtung -> Spangenberg. Auf landschaftlich sehr schönen Strecken fuhren wir weiter über -> Hessisch - Lichtenau -> Velmeden -> Bad Sooden.

Bad Sooden ist als Kurort mit einer schönen Altstadt ein Begriff, und wer das Volkslied „Am Brunnen vor dem Tore“ kennt, kann hier auch den darin besungenen Brunnen finden. Es ist ein alter Zimmermannsbrunnen, der vor den Toren Allendorfs steht.

Wir hatten noch eine gute Strecke vor uns und so fuhren wir weiter nach -> Witzenhausen und durch das Werratal auf der B 80 bis nach -> Breitenworbis.
Dort verließen wir die B 80 und fuhren über -> Großbodungen -> Walkenried nach Ellrich.

Ellrich ist eine kleine Stadt im Südharz, welche wir als Ausgangspunkt gewählt hatten. Es lohnt sich mal einen Spaziergang durch die Altstadt zu machen, am Marktplatz gibt es ein paar reizvolle Fachwerkhäuser und Reste der alten Stadtmauer.

Nach rund 380 km auf den Motorrädern hatten wir an diesem Abend aber erst mal genug vom Zweiradspass.
Nicht entgehen lassen wollten wir uns aber das inzwischen schon fast traditionelle Countryfest, welches jedes Jahr um diese Zeit in Nordhausen stattfindet und auf dem sich Gäste wie Tom Astor, Truckstop oder Gunter Gabriel einfinden. Letzterer gab an diesem Abend ein Konzert, war aber zumindest für uns ziemlich enttäuschend.

Zweiter Tag (ca. 190 km)

Den zweiten Tag hatten wir der Sagenwelt des Harzes gewidmet und so stand natürlich eine Fahrt zum Hexentanzplatz auf dem Programm.

Von Ellrich aus fuhren wir über Niedersachswerfen auf die -> B4 -> Ilfeld und auf herrlichen Waldstrecken auf der B81 -> Hasselfelde -> Guntersberge -> Friedrichsbrunn -> Treseburg zum Hexentanzplatz. Der Sage nach lebte auf dem Hexentanzplatz die gefürchtete Hexe Wadelinde, die mit Vorliebe Jungfrauen in ihren Bann zog um aus ihnen Hexen zu machen, die sich dort dann alljährlich in der Walpurgisnacht zum Tanz treffen.

Das eigentlich reizvolle am Hexentanzplatz ist aber die großartige Aussicht auf die Roßtrappe und wenn das Wetter klar ist, kann man bis zum Brocken sehen. Uns zeigte er sich leider in Dunst gehüllt.
Fährt man vom Hexentanzplatz weiter Richtung Thale folgt der Abzweig zur Roßtrappe. Einen Ausflug dorthin haben wir aber nicht unternommen, denn ein Fußweg von ca. 1,5 km in der Lederkombi macht bei 27°C nicht wirklich Spaß.

Also haben wir lieber wieder die Landschaft vom Motorrad aus genossen und fuhren über -> Thale-> Cattenstedt -> Altenbrak und durch das Bodetal nach -> Wendefurth zur Rappbodetalsperre.

Dort ließen wir uns ein Eis schmecken und nach einem kurzen Spaziergang zur Staumauer machten wir uns auf den Weg nach -> Rübeland. Von dort aus ging es nach -> Elbingerode, wo zwei der bekanntesten Höhlen des Harzes zu finden sind. Die Baumann - und die Hermann - Höhle.

Leider waren wir für eine Besichtigung schon zu spät dran und so hielten wir uns angesichts immer dunkler werdender Wolken Richtung -> Braunlage. Dort bekamen wir die ersten Ausläufer des folgenden Unwetters zu spüren. Wir schafften es noch über -> Hohegeiß nach -> Walkenried, wo uns das Unwetter dann mit Hagel, Sturm und Gewitter voll erwischte. Wir kämpften uns trotzdem die 3 km bis Ellrich durch und als wir dort ankamen hatte sich auch das Unwetter schon wieder verzogen.

Die im Harz häufig auftretenden Wetterkapriolen sollte man nicht unterschätzen, Unwetter treten schnell und heftig auf, verziehen sich aber meist wieder innerhalb einer Viertelstunde.

Dritter Tag (ca. 160 km)

Am dritten Tag unserer Tour wollten wir uns eine der beiden Höhlen vom Vortag ansehen.
Wir fuhren also wieder über -> Niedersachswerfen -> Ilfeld, hielten uns dann aber Richtung -> Rothesütte, welches man auf buckligen Kopfsteinpflaster-Straßen erreicht. Von da aus fuhren wir weiter nach -> Sorge -> Tanne -> Königshütte -> Rübeland und -> Elbingerode.

Dort besuchten wir die Hermannshöhle, in welcher man außer wunderschönen Tropfsteinen auch das rekonstruierte Skelett eines Höhlenbären betrachten kann.

Da mein Tourenpartner an diesem Tag wieder Richtung Heimat musste, fuhren wir auf die -> B27 -> Braunlage -> B4 -> B242 nach -> Clausthal-Zellerfeld, wo sich unsere Wege trennten.

Da für diesen Abend noch ein paar Verwandtenbesuche auf dem Plan standen fuhr ich auf direktem Weg über -> Osterode -> B243 -> Herzberg -> Bad Sachsa und -> Walkenried nach Ellrich.

Die Strecke ist zwar fahrerisch recht anspruchslos, von der Schönheit her aber auch nicht zu verachten.

Vierter Tag (ca. 180 + 60 km)

Am vierten Tag hatte ich mir den Kyffhäuser zum Ziel gemacht. Das ist ein dem Harz vorgelagerter Höhenzug von ca. 20km Länge und ca. 7km Breite.
Ich fuhr also über -> Niedersachswerfen -> Neustadt -> Rottleberode -> Berga und -> Kelbra zum Kyffhäuser.

Dort führen 35 superschöne Kurven auf gerade mal 4 km Wegstrecke bis zum höchsten Punkt des Kyffhäuser. Diese Strecke sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen.

Mich führte der Weg weiter zur Barbarossa - Höhle, auf der Südseite des Kyffhäuser.
Diese Höhle ist ziemlich außergewöhnlich, führt der Weg doch nicht durch viele kleine Räume und durch enge Gänge, sondern es tun sich unter der Erde riesige Säle auf, von zum Teil mehreren 100m Länge. Und so verwundert es nicht, dass der Volksglaube diese Höhle nach ihrer Entdeckung zum heimlichen unterirdischen Palast des verschollenen Königs Barbarossa machte. In der Sage heißt es, Barbarossa würde in dieser Höhle leben. Ein Zwerg lebt dort bei ihm, den er alle 100 Jahre an die Oberfläche schickt, um nachzusehen, ob die Raben noch über dem Kyffhäuser kreisen. Würden die Raben eines Tages verschwunden sein, wäre es an der Zeit für Barbarossa ans Tageslicht zurückzukehren, um seine rechtmäßige Herrschaft wieder anzutreten. Noch aber fliegen die Raben über dem Berg, und so wird Barbarossa wohl noch eine Weile in der Höhle ausharren müssen.

Nach diesem interessanten Abstecher unter die Erde fuhr ich wieder Richtung -> Kelbra zurück, um dem Kyffhäuserdenkmal einen Besuch abzustatten.Dieses Denkmal zu Ehren Kaiser Wilhelm I. wurde auf dem Gelände der bereits im 12. Jh. erbauten Reichsburg Kyffhausen errichtet, und bietet einen super Rundblick über das gesamte Harzer Vorland.
Der Rückweg führte mich über -> Kelbra -> Rossla und -> Hayn nach -> Stolberg. Wer ein Faible für Fachwerkhäuser hat, sollte sich hier die Zeit für einen Spaziergang nehmen, denn es reiht sich ein Fachwerkhaus an das andere. Der große Pluspunkt dabei ist, dass Stolberg lange nicht so überlaufen ist, wie zum Beispiel Wernigerode, und sich so ein ruhiges Flair erhalten hat.

Von hier aus ging es über -> Rottleberode und -> Niedersachswerfen wieder nach Ellrich.
Nach dem Abendessen bekam ich Lust auf eine kleine Sonnenuntergangstour, und so startete ich noch einmal.
Von Ellrich aus fuhr ich nach -> Sülzhayn und dort auf einem alten Forstweg nach -> Rothesütte. Diesen Weg sollte man sich entweder genau beschreiben lassen, oder lieber die Anfahrt wählen, die zu Beginn des dritten Tages beschrieben ist.

Von Rothesütte gings über -> Braunlage -> Königshütte -> Tanne -> Sorge -> Zorge und -> Walkenried wieder nach Ellrich.

An diesem Punkt noch eine kleine Anmerkung: Viele der Orte tauchen in den Routenbeschreibungen immer wieder auf. Wir sind natürlich nicht ständig dieselben Strecken gefahren, sondern es ist so, dass im Harz selbst die kleinsten Orte mehrere Zufahrten haben. Man kann einen Ort also mehrfach durchfahren, und wird doch immer wieder einen anderen Weg finden. Und das hat natürlich durchaus seinen Reiz, denn viele der schönsten Ecken haben wir nur durch Zufall gefunden.

Fünfter Tag (ca. 180 km)

An diesem Tag hieß mein Ziel Wernigerode.
Die Fachwerkbauten und vor allen Dingen das Werningeroder Rathaus sind ja weit über den Harz hinaus bekannt. Die Fahrt führte mich über -> Walkenried, -> Bad Sachsa und -> Steina nach Bad Lauterberg.

Von da aus ging es auf der B 27 weiter nach -> Herzberg, wo das über der Stadt sichtbare Welfenschloss meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Also beschloss ich einen kurzen Abstecher dorthin zu machen. Ja und kurz war er dann auch. Das Schloss ist zu zwei Dritteln Sitz des Amtsgerichts und kann somit gar nicht besichtigt werden. Ansonsten findet man dort noch ein Cafe und ein Museum, mit Ausstellungen über die Geschichte der Holz- und Forstwirtschaft des Harzes. Die ist allerdings recht sehenswert.

Von Herzberg aus hielt ich mich Richtung -> Odertal und -> Silberhütte, welches man auf einer wunderschönen Waldstrecke erreicht. Da wäre ich am liebsten gleich noch mal umgedreht, nur um sie noch mal zu fahren. Aber mein Weg führte mich weiter von -> St. Andreasberg zum -> Sonnenberger Weghaus und auf der Harzer Hochstraße nach -> Torfhaus. Auf der Weiterfahrt Richtung -> Bad Harzburg kommt ein Hinweis zum Radau-Wasserfall. Dort lohnt es sich anzuhalten und Rast zu machen. Erstens gibt es vis a vis vom Wasserfall ein gemütliches Rasthaus mit Garten und zweitens habe ich dort den besten Windbeutel mit Kirschen und Sahne gegessen, den man sich vorstellen kann. Mmmmhhh lecker.

Nach dieser Sünde ging es dann aber weiter nach Bad Harzburg und von da aus nach -> Wernigerode. Dort unternahm ich einen kleinen Stadtbummel, den ich dann aber wegen zu viel Touri-Gedrängel etwas abgekürzt habe. Bis zum berühmten Rathaus bin ich gar nicht vorgedrungen. Da bummle ich doch lieber durch Stolberg -> siehe Tag 4.

Also beschloss ich noch einen Abstecher zur Odertalsperre zu machen und fuhr über-> Elend nach -> Braunlage. Dort hielt ich mich Richtung -> Oderhaus und fuhr dann am Westufer der Talsperre nach -> Odertal. Dieselbe Strecke wie auf der Hinfahrt führte mich zurück nach Ellrich.
Abends wurden dann noch die Sachen für die Heimreise gepackt und schon war der Kurzurlaub auch wieder vorbei.

Die Rückfahrt nach Hause fuhr ich bis auf kleine Abweichungen genauso wie in der Anreise beschrieben ist.

Nach gut 1500 km kann ich nur sagen, dass es eine gelungene Tour war, die uns jede Menge Spaß gemacht hat.
eingesandt von: Katja Findeisen und Achmed Neiderwitz
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